Zum Inhalt

Marid (Mārid, مارد)

Persisch/IranischGemeinsamNach-islamischBestiarium

Persisch: مارد (māred) · Weitere: arabisch mārid

Marid bezeichnet einen widerspenstigen oder aufrührerischen übernatürlichen Geist und in späterer Dämonologie einen besonders mächtigen Dschinn. Die populäre Verbindung mit Meer, Tiefe und Wunscherfüllung ist eine regionale beziehungsweise moderne Ausgestaltung, nicht überall ein kanonisches Merkmal.

Einordnung: Die Bezeichnung stammt aus dem islamisch-arabischen Vokabular und wurde in persischer und später globaler Fantasy zu einer scheinbar festen Dschinn-Klasse ausgebaut.

Beschreibung

Das arabische Wort mārid bedeutet sinngemäß widerspenstig, aufsässig oder rebellisch. In islamischen Texten kann es als Charakterisierung gefährlicher übernatürlicher Wesen erscheinen; spätere Klassifikationen behandeln den Marid als Rang- oder Artbezeichnung innerhalb der Dschinn.

In persischen Erzählzusammenhängen und in modernen Übersetzungen wird der Marid oft neben Ifrit und Ghul genannt. Die bekannte westliche Vorstellung eines gewaltigen, aus Gefäß oder Meer befreiten Wunschwesens bündelt Motive aus Erzählungen und Populärkultur, darf aber nicht rückwirkend als einheitliche mittelalterliche Lehre ausgegeben werden.

Für ein RPG ist die Unschärfe produktiv: Ein Marid kann ein Wasserherrscher, ein aufständischer Hofgeist oder lediglich der Ehrentitel eines besonders alten cin sein. Seine Macht sollte durch soziale Regeln, alte Bündnisse und präzise formulierte Bitten begrenzt bleiben.

Erscheinung

Häufig kolossal, wasser-, wolken- oder rauchverbunden und mit bläulichen oder perlmuttartigen Farben dargestellt. Historische Quellen liefern kein verbindliches Aussehen.

Kräfte & Fähigkeiten

Überlegene körperliche und magische Kraft, Einfluss auf Wasser oder Wetter in späterer Folklore, Gestaltwechsel und Vertragsmacht. Die Zuordnung zu Wasser ist als regionale beziehungsweise moderne Lesart zu kennzeichnen.

Verwandte Einträge

  • Dschinn (Jinn, جنّ) — Dschinn sind im Koran eigenständige, unsichtbare Wesen aus Feuer, die wie Menschen glauben, handeln und zur V…

  • Ifrit (ʿIfrīt, عفريت) — Ein Ifrit ist in der islamischen Erzähltradition ein besonders mächtiger, oft rebellischer Dschinn. Der Koran…

  • Suleiman (Sulaymān, سليمان) — Suleiman ist der islamische Salomo, Prophet und König, dem Gott Macht über Wind, Tiere, Dschinn und andere un…

Für dein RPG

Ein Marid kontrolliert eine Quelle, die mehrere Dörfer versorgt, und fordert Anerkennung statt Gold; eine scheinbare Wunschbelohnung enthält drei soziale Nebenbedingungen; ein persischer Gelehrter und ein kurdischer Erzähler verwenden für dasselbe Wesen unterschiedliche Rangnamen.

Quellen

  1. Marid — Wikipedia — Link — Überblick zu Bedeutung und islamischer Verwendung des Begriffs; spätere Populärkultur geht darüber hinaus.

  2. Ifrit — Wikipedia — Link — Vergleich der häufig nebeneinander verwendeten Dschinn-Bezeichnungen.

  3. Encyclopaedia Iranica: Genie — Encyclopaedia Iranica — Link — Vergleichsrahmen für Jinn-Vorstellungen im iranischen Kulturraum.


← Zurück zur Übersicht: Bestiarium